Augenheilkunde
Einleitung
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird in der Augenheilkunde noch weitgehend schulmedizinisch gearbeitet. Wenn Sie bestimmte Symptome wie unscharfes Sehen, Schmerzen, trockene oder tränende Augen haben, werden die meisten Augenärzte Ihre Augen untersuchen wie ein Mechaniker ein Auto inspiziert. Ihr Symptom, so denken sie, wird von einem Problem in Ihren Augen hervorgerufen, und das muss repariert werden.
Grauer Star (Katarakt)
Wenn sich die Linse des Auges eintrübt und diese Trübung zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens führt, wird der Augenarzt eine Operation empfehlen, bei der eine neue Linse implantiert wird. Erklären wird er die Entstehung des Katarakts mit dem natürlichen Alterungsprozess und der erhöhten UV-Strahlung, der wir heute ja alle ausgesetzt sind. In den meisten Fällen ist die einfache Operation erfolgreich und der Patient kann anschließend wieder klar sehen. Ist dies das Ende der Geschichte? Nicht wirklich. Durch den operativen Eingriff wurde das Symptom beseitigt. Die trübe Linse ist weg und das klare Implantat sorgt auf beeindruckende Weise für bessere Sicht. Aus Sicht der Schulmedizin ist das Problem damit behoben. Doch ist es das wirklich?
Kurzsichtigkeit
Kurzsichtigkeit - die Unfähigkeit, weit Entferntes deutlich zu sehen - gehört heute zu den am meisten verbreiteten Refraktionsanomalien auf der Welt. Der medizinisch akzeptierte Grund für Kurzsichtigkeit ist ein zu langer Augapfel. Dagegen verschreiben Augenärzte mehr oder weniger starke Konkavlinsen. Das ist die medizinische Standardbehandlung seit Erfindung der Brille. Aber wir haben das Problem nicht unter Kontrolle, im Gegenteil: Die Kurzsichtigkeit hat in den meisten westlichen Ländern geradezu epidemische Ausmaße angenommen. Forschungen haben gezeigt, dass Erziehung und das Tragen von Konkavlinsen die für die Kurzsichtigkeit verantwortlichen optischen Maße des Auges noch verstärkt und die Sehkraft weiter senkt. Neuerdings verspricht die Schulmedizin sogar eine Heilung der Kurzsichtigkeit, die durch Lasern der Hornhaut bewirkt werden soll. Die meisten Patienten sind nach der Operation begeistert, weil sie keine Brille und keine Kontaktlinsen mehr brauchen und dennoch fast perfekt sehen können, aber hat diese Prozedur die wahren Ursachen der Kurzsichtigkeit beseitigt? Klinische Erfahrungswerte sprechen dagegen. Bei manchen Patienten treten nach der Operation andere Augenprobleme auf, etwa trockene Augen, Netzhautablösung und Mückensehen. In einigen Fällen kehrt die Kurzsichtigkeit sogar zurück, und der Patient muss erneut Konkavlinsen tragen. Vielleicht passiert das, weil die wahre Ursache für die Kurzsichtigkeit nie entdeckt und berücksichtigt wurde. Ob Brille oder chirurgischer Eingriff - die Welt hinter dem physischen Auge des Patienten bleibt undeutlich, selbst wenn er dank dieser Maßnahmen vermeintlich klar sieht. Es sind eben nur kompensierende Maßnahmen, keine wirklichen Korrekturen.
Durch Messungen habe ich herausgefunden, dass Menschen mit einer hundertprozentigen Brille gegen Kurzsichtigkeit weniger gut in der Lage waren, beidäugig (simultan) zu sehen, als Menschen mit einer etwas schwächeren Brille. Das Reduzieren der Minuslinsen (Hinzufügen von Pluswerten) bewirkte eine Integration von linkem und rechtem Auge und sorgte für besseres binokulares Sehen. Der Stress, der durch die starken Minuslinsen entsteht, war damit ausgeglichen. Das macht Sinn, wenn wir uns die Physiologie der Linsen vor Augen führen. Eine Minus-, Konkav- oder Zerstreuungslinse kann stimulierend auf das sympathische Nervensystem wirken und die physiologische Aktivität steigern, während eine Plus- oder Sammellinse auf das parasympathische Nervensystem wirkt, und zwar entspannend.
Schielen
Als Schielen (Strabismus) bezeichnet den nach innen oder außen gerichteten Blick eines oder beider Augen. Diese Sehstörung wird von konventionellen Augenärzten damit erklärt, dass bestimmte Augenmuskeln zu schwach sind, um beide Augen in die gleiche Richtung zu bewegen. Dies wird „korrigiert“, indem man die betreffenden Muskeln operativ verkürzt. Der Eingriff kann zwar die Augen ausrichten, ist aber keine Garantie für integriertes oder binokulares Sehen. Oft entwickelt die Person nach der Operation einen neuen Strabismus, manchmal sogar in die andere Richtung. Warum?
Nur die Spitze des Eisbergs
Was sich zeigt, ist immer nur die Spitze des Eisbergs. Die wahre Ursache eines jeden Augenproblems liegt unter der Oberfläche - hinter dem Auge. Die Ursache des Nicht-Sehens ist eine Mischung aus vielen Variablen, die eng mit dem Lebenszyklus des betreffenden Menschen verbunden sind. Die schulmedizinisch orientierte Augenheilkunde leistet ihren Beitrag, indem sie Teile des Auges repariert, lasert, behandelt, entfernt und durch neue Teile ersetzt. Das kann in einer traumatischen oder lebensbedrohlichen Situation wie ein Wunder sein. Augenoperationen helfen Millionen von Menschen, und die Früherkennung von Augenproblemen war für viele weniger hoch entwickelte Länder wie mein Heimatland Südafrika eine große Hilfe.
Auf der anderen Seite gibt es in den westlichen Ländern immer mehr Augenprobleme: Refraktionsanomalien wie Kurzsichtigkeit, aber auch Glaukome sowie Netzhaut- und Makuladegeneration. Wenn Sie mit solchen Problemen zu einem fortschrittlichen Augenarzt gehen, wird dieser Ihnen vielleicht Vitamine oder Mineralien für die Augen verordnen, weil das gerade Mode ist, oder Ihnen irgendwelche „Augenübungen“ empfehlen, aber höchst selten wird er eine Verbindung zwischen dem momentanen Zustand Ihrer Augen und Ihrer Lebensweise, Ihrem genetischen Hintergrund oder Ihren enttäuschten Erwartungen herstellen.
Die Botschaft der Augen
Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann sich ein neues Paradigma der Augenheilkunde zu entwickeln. Es ist tief in der afrikanischen Tradition verwurzelt und betrachtet Augenprobleme in derselben Weise, in der wir die Natur betrachten. Es gibt einen allen Veränderungen in der Natur und im Leben innewohnenden Code, den man auch auf die Augenheilkunde übertragen kann und den ich als EyeCode® bezeichne. Die saisonalen Veränderungen in der Natur sorgen für Ausgleich - für Regeneration und Erneuerung. Die Saat wird in den Boden gebracht, die Pflanze wächst und wird geerntet. Dann wird der Boden umgegraben, ruht und wartet auf die nächste Saison. Könnte es sein, dass auch die Augen Ruhepausen brauchen? Brauchen auch sie das Licht der Sonne, um gesund zu bleiben - genau wie die Pflanzen? In der Tat brauchen auch die Augen nach harter Arbeit Zeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Bauern können genau einschätzen, wann sich der Boden regenerieren muss. Auch unsere Augen senden entsprechende Botschaften aus: Symptome und Krankheiten sind uns wohl am besten vertraut. Müde, tränende Augen und verschwommene Sicht sind Botschaften, die uns sagen, dass es Zeit ist, die Routine zu durchbrechen und Pause zu machen. Die anderen, weniger offensichtlichen Botschaften haben etwas mit den natürlichen Veränderungen in den Augen zu tun, die sich im Laufe des Lebens einstellen, zum Beispiel dass wir ab 40 weitsichtiger werden. Die Frage ist: Sind wir so aufmerksam wie der Bauer? Können wir den Code entziffern, mit dem unsere Augen kommunizieren? Die Augen beschweren sich entweder, indem sie schmerzen oder trübe werden, oder sie geben Ihnen Hinweise darauf, wie Sie Ihren Lebensstil am besten anpassen können, damit er zur biologischen Wahrheit und Weisheit Ihres Alters passt. Die folgenden Beispiele mögen des verdeutlichen:
Für kleine Kinder ist eine leichte Weitsichtigkeit normal. Sie wirkt später, wenn die Kinder in der Schule lesen lernen müssen, wie eine Art Stoßdämpfer. In den ersten zwanzig Lebensjahren verfügt jeder Mensch über eine große Anpassungsfähigkeit im Fokussieren, die es ihm erlaubt, viel zu lesen und Arbeiten zu verrichten, die er praktisch „vor der Nase“ hat. Wenn wir allerdings eine bestimmte Toleranzgrenze (die für jeden Menschen individuell festgelegt ist) überschreiten, nimmt die Weitsichtigkeit ab, und das kann den betreffenden Menschen zur Kurzsichtigkeit tendieren lassen. Bei der EyeCode-Methode geht es zunächst darum, die dem undeutlichen Sehen zugrunde liegende Botschaft zu entschlüsseln und das Refraktionsproblem genau zu diagnostizieren. Dann erkennen wir die natürlichen Veränderungen in den Augen an und nehmen sie als Hinweis darauf, wie wir unserem Alter angemessen leben sollen.
Wenn der Mensch älter wird, machen die Augen mit neuen Problemen wie Netzhautablösungen oder Mückensehen auf sich aufmerksam. Mit anderen Worten: Wenn der Augencode nicht gleich zu Beginn entziffert wurde, wird er Ihre Aufmerksamkeit im Laufe der Zeit immer vehementer einfordern.
Übung
Identifizieren Sie Ihr Augenproblem mit Hilfe der Tabelle. Schauen Sie nun in der zweiten Spalte der Tabelle nach, was hinter diesem Symptom steckt. Fragen Sie sich: 1. Seit wann habe ich dieses Problem? 2. Wie waren meine Lebensumstände 6 bis 18 Monate vor dem ersten Auftreten des Symptoms oder Problems? Schauen Sie sich nun auch die Botschaften in der dritten Spalte der Tabelle an und fragen Sie sich: 3. Ist das Problem gelöst? Kann ich eine Verbindung zwischen meinem Augenproblem und meiner Lebenssituation herstellen? 4. Gibt es etwas, das ich tun kann, um diese Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen? 5. Wie sehen meine Symptome und Probleme aus dieser neuen Perspektive betrachtet aus?
Notieren Sie Ihre Antworten auf diese Fragen. Denken Sie darüber nach und in diesem Zusammenhang auch über Ihr bisheriges Leben. Erkennen Sie jetzt, welchen Wert Ihr Augenproblem für Sie hat? Der Sinn dieser Übung besteht darin, mögliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Aspekten Ihres Lebens und Ihren Augen zu erkennen. Wenn Sie diese Zusammenhänge klar erkannt haben, wird sich auch die Wahrnehmung Ihrer momentanen Lebenssituation klären. Diese Erkenntnisse werden Ihnen helfen, Ihre Augenfunktion neu zu programmieren und die Botschaft Ihrer Augen erfolgreicher umzusetzen.
Ich sehe dich
Ich habe viele meiner Patienten durch diesen Prozess begleitet und mit Hilfe des EyeCodes eine tiefere und hilfreichere Kommunikation zwischen Arzt und Patient in Gang setzen können. Es gibt einen afrikanischen Gruß, der dies schön auf den Punkt bringt. Wenn sich zwei Menschen begegnen, schauen sie sich in die Augen und sagen: „Sawabona.“ Das heißt „Ich sehe dich“ und bedeutet weniger ein visuelles Sehen, als ein Sehen auf der menschlichen Ebene: Man sieht das wahre Wesen eines Menschen, sein Menschsein. Die Antwort lautet: „Yobo Sawabona“, und das heißt: „Ich sehe, dass du mich siehst.“ Damit bringt man eine gewisse Zuneigung und echtes Interesse am anderen zum Ausdruck, und das ist auch der Kern der neuen Augenheilkunde. So gehen Arzt und Patient miteinander um. Das menschliche Element dieser Art von Behandlung besteht darin anzuerkennen, dass Ihr Augenproblem nicht isoliert ist von Ihnen, Ihrer Seele und dem Leben, das Sie sich aufgebaut haben.
David (43) kam zu mir, weil er seit sechs Monaten ein Problem mit der Hornhaut seines rechten Auges hatte: unklares Sehen, das nichts mit seiner langjährigen Kurzsichtigkeit zu tun hatte, die in der Vergangenheit mit einer Minuslinse soweit kompensiert worden war, dass er wieder scharf sehen konnte. Doch jetzt sah er auf dem rechten Auge wie durch Nebel. Das war so unangenehm, dass er sogar aufgehört hatte, Kontaktlinsen zu tragen. Sein früheres Augenproblem (Kurzsichtigkeit)hatte etwas mit Umständen zu gehabt, in denen er sich in sich selbst zurückgezogen hatte. Das aktuelle Problem hatte etwas mit Macht zu tun (Hornhaut). Ich wies David darauf hin und bat ihn, über die neue EyeCode-Botschaft nachzudenken. Das bedeutete in seinem Fall, seine exzessive Arbeitsweise zu überdenken und den vielen Stress, den er dadurch hatte. Außerdem sollte er seine Macht zurückfordern, die er sich von seiner Firma hatte nehmen lassen. Parallel dazu nahm er weiterhin die Tropfen, die ihm der Augenchirurg im Krankenhaus verschrieben hatte, aber sein Zustand besserte sich nicht. Ein paar Wochen später begann David, den wahren Grund für sein Augenproblem zu erkennen, indem er sich tiefer gehende Fragen stellte. Zusätzlich arbeitete er mit bestimmten gesprochenen Suggestionen, die ich ihm gegeben hatte und die ihm neue Wahrnehmungsebenen erschließen sollten. Auch hatte er seine Einstellung zu seiner Arbeit verändert und angefangen, schwächere Minuslinsen zu tragen. Der EyeCode-Botschaft entnahm er nun, dass er einen Teil von sich (seine Macht) an andere in der Firma abgegeben hatte. Also verbrachte er mehr Zeit allein und ging noch tiefer, um seine Wahrheit und seine Macht zu suchen. Dieser Prozess schloss auch ein Gespräch mit seinem Vater (rechtes Auge) ein. Innerhalb eines Monats verschwanden alle Symptome des unklaren Sehens und des Unwohlseins. Es war David sogar möglich, die Dioptrien seiner Kontaktlinsen um die Hälfte zu senken, und die Augentropfen setzte er auch ab. Er forderte seine rechtmäßige Macht zurück. Und auch sein rechtes Auge gewann allmählich hundert Prozent seiner Sehleistung zurück. Später besorgt er sich von seinem Augenarzt die Ergebnisse aller Dioptrienmessungen der letzten zwanzig Jahre und stellte sie in einer Grafik zusammen.
Hier erkennt man einen deutlichen Anstieg der Dioptrien zwischen 1985 und Oktober 2004. Anfang Oktober 2004 begegnete ich David zum ersten Mal. Im April 2005 sind die Dioptrien schon deutlich niedriger, und im April 2006 haben sie ihren niedrigsten Stand erreicht. Anhand dieser Darstellung konnte David sofort eine Verbindung zwischen seiner jeweiligen Lebenssituation und dem steigenden beziehungsweise fallenden Dioptrienwert herstellen. Wenn er zum Beispiel Probleme in der Familie oder in der Firma hatte, maß sein Arzt höhere Dioptrien. Das ist übrigens keineswegs ungewöhnlich.
David arbeitet auch weiterhin mit dem EyeCode und entdeckt immer neue
Beziehungen zwischen dem Zustand seiner Augen und seiner Lebensweise. Wenn er dem EyeCode entsprechend lebt, erfreut er sich klarer Sicht, auch wenn er nur halb so starke Linsen trägt wie sonst.
Literatur / Quellen
Lam C.S., Goh W.S.: The incidence of refractive errors among schoolchildren in Hong Kong in relationship with the optical components. Clin Exp Optom. 1991 74:97-103
Kaplan, R. M.: Nearsightedness - Seeing Beyond The Obvious - Part 1. J. Optom Vis Dev. 2003; 34 (1):24-30
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Kaplan, R.M.: Light, Lenses and The Mind -The Potent Medicine of Optometry. J. Optom Vis Dev. Autumn, 2002; 22 ( 4); 153-160
Kaplan, R.M.: Spielend Besser Sehen, Knaur, München, 1995
Kaplan, R.M.: Die Integrative Sehtherapie, Arbor, Freiamt, 2000
Kaplan, R.M.: Bewusstes Sehen, Heyne, München, 2005
Portrait
Dr. Roberto Kaplan ist einer der führenden ganzheitlichen Augenheilkundler. Er war Professor für Optometrie (Sehkunde) an der Universität Houston, Texas, und an der Pacific University, Oregon. Seine Bücher wurden in 17 Sprachen übersetzt. Dr. Kaplan vermittelt seine Methode weltweit in Seminaren und Ausbildungsprogrammen. Seine Vortragsreisen führen ihn regelmäßig auch nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.
Kontakt: Internet: www.robertokaplan.com und www.robertokaplan.at; Die EyeCode® -Technologien stehen Ihnen auch im Internet zur Verfügung: in einem interaktiven Coaching Prozess auf der Seite: www.lifecode.cc; Telefonisch erreichen Sie Dr. Kaplans Büro in Europe unter der Nummer 0043 (0) 664 410 34 31.


